Den Spieß umdrehen

Wer kennt es nicht, dass man für alternative Ansichten Gegenwind kassiert? Als wäre es etwas Schlimmes, wenn man die Welt ein wenig differenzierter und nicht so einheitlich betrachtet wie es die Allgemeinheit gerne hätte. Als müsste man sich dafür rechtfertigen, dass man mit eigenem Denken und eigenen Gedanken durch die Welt geht und ja, in der Tat ist es so, dass man sich wirklich rechtfertigen muss. Doch warum eigentlich?

Diese Frage bezieht ihre Relevanz durch die Tatsache, dass es ja nicht die Taten derer sind, die auch mal über den eigenen Tellerrand hinausblicken und einen weiteren Horizont aufweisen als die Allgemeinheit. Denn Gedanken und Ansichten bringen ja auch immer die entsprechenden Taten bzw. auch Unterlassungen mit sich.

Es ist in diesen Tagen einfach mal an der Zeit für eine Revision der Gedanken und der Grundlagen, mit denen man durch die Welt geht. Zuerst einmal hat man sich zu fragen, welche bzw. wessen Grundgedanken es denn nun sind, die all diese negativen Prozesse erst möglich gemacht haben. Denn unstrittig ist, dass jeder, gleich welcher Gesinnung er sein mag, viele Dinge zu beklagen hat. Jeder beschwert sich, wie wir verarscht, belogen und betrogen werden von den herrschenden Klassen.
Doch kaum kommt jemand daher und argumentiert für eine Änderung der Grundlagen, die diese negativen Entwicklungen erst hervorgebracht haben, so bilden die Allgemeinheitsdenker eine geschlossene Front gegen diesen.
Wie Volker Pispers sagte ist der allgemeine Deutsche der, der beim Spazierengehen immer wieder in den gleichen Hundehaufen tritt, sich jedesmal darüber beschwert und wenn jemand sagt, er solle doch drumrum gehen oder den Haufen wegmachen, wird er beschimpft. So einfach ist der Sachverhalt dargelegt. Oder anderes ausgedrückt- Der genormte Mensch möchte, dass alles anders wird, solange sich für ihn nichts ändert.

Dabei übersieht er aber geflissentlich, dass gerade seine Unterordnung unter dieses Einheitsdenken dafür verantwortlich ist, dass es so ist wie es ist. Dass ER es ist, der sich zu rechtfertigen hat, solange er den schon längst offensichtlichsten Lügen und der offenen Propaganda der Allerweltsmedien auch nur sein Gehör und seine Aufmerksamkeit schenkt. Schlimmer noch- Solange er diesem System, von dem ER genau so weiß wie jeder andere, wie menschenfeindlich und falsch es ist, seine Dienste NICHT verweigert. Solange er also dieses System durch seine aktive Mitarbeit oder auch nur passive Duldung in Betrieb hält, hat ER nicht das Recht, andere dafür anzugreifen, dass sie für andere Möglichkeiten einstehen, die Gesellschaft zu ordnen.

Jedem, der in Wort und Tat dafür einsteht, dass der Staus quo erhalten bleibt, muss einsehen, dass nichts anders wird, solange er nichts anderes im Sinn hat als alles so zu belassen wie es ist. Solange ihm nichts wichtiger ist, als für lächerliche Almosen ein Schutzschild für den ausbeutenden Kapitalismus zu sein, solange jemand Argumente benutzt wie „Und wie will man das bezahlen?“ oder „Wenn es keine Zinsen mehr gibt, bekomme ich ja auch keine mehr auf meinem Sparkonto“ und solange es Menschen wichtiger ist, ihren Karneval zu feiern und wer beim Fußball deutscher Meister ist, als für Gerechtigkeit und Frieden einzustehen, solange steht fest, wer die wirklich Schuldigen sind und wer sich zu rechtfertigen hat, dass nichts besser wird. Dann ist klar, wer die Schuld daran trägt, dass die Menschen ausgebeutet und der Planet zerstört wird.

Wie so oft in der Geschichte werden die einfachsten Tatsachen in ihr Gegenteil verkehrt, dass die Schuldigen die Unschuldigen verfolgen. Und jeder Gegenwind, dem einem Menschen, der für eine bessere Welt kämpft widerfährt, IST faktisch eine Verfolgung. Denn eine Duldung des Status quo ist in diesen Zeiten, in denen es wieder einmal Blutvergießen ohne Ende gibt, genau so schlimm, wie selbst den Abzug für Wirtschaftsinteressen zu drücken.

Es wurde und wird den Deutschen auch heute noch der Vorwurf gemacht, sich im 3. Reich nicht genug gegen das Naziregime gewehrt zu haben. „Man hätte es doch mitbekommen müssen, man hätte es doch verhindern müssen“.
Und wer bitte verhindert heutzutage die unrechtmäßigen Taten von USA, Israel, NATO, EU und anderen Verbrechern? Diese Mächte haben bereits jetzt mehr Blut an den Händen als das 3. Reich. Nur, sie stellen eben keine Gaskammern auf. Unsichtbar sind deren Verbrechen deswegen aber nicht. Und jeder, der sich für deren Taten ausspricht und nichts dagegen unternimmt ist nicht besser als jene, die damals Andersgläubige denunziert, verfolgt und zu deren Vernichtung beigetragen haben. Und die Geschichtsschreibung ist noch nicht abgeschlossen und wir wissen, wie die Geschichte über Menschen urteilt, die Unrecht auch nur zugelassen haben.

Es ist also wirklich mal an der Zeit, den Spieß umzudrehen und nicht die Menschen zu verurteilen, die zumindest versuchen, die Strukturen zu verändern, sondern jene zur Rechenschaft zu ziehen, deren Untätigkeit den Verbrechern an der Macht zu ihrem Erfolg verhelfen. Wer nicht für Gerechtigkeit und Freiheit kämpft, hat beides nicht verdient. Und Ausflüchte können nicht berücksichtigt werden, weil JEDER die Möglichkeit hat, dem System die Unterstützung zu entziehen. Wer dies nicht tut, macht sich mit schuldig an dessen Verbrechen.

Und machen wir uns nichts vor- Wenn man nicht gerade 80 Jahre alt ist, werden schon in naher Zukunft Fragen gestellt werden, welchen Beitrag man eigentlich geleistet hat. Welche Stellung man bezogen hat in diesem globalen Konflikt. Ob man für Gerechtigkeit eingestanden ist, oder ob man denen die Stange gehalten hat, die die Menschen in Unfreiheit getrieben und den Planeten vergewaltigt haben.

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