Handeln und wandeln

Volker Pispers hat recht wenn er sagt, dass Kabarett der Ablasshandel des 21. Jahrhunderts ist. Wer sieht es nicht gerne, wenn jene durch den Kakao gezogen werden, die uns Anlass zu Klage geben? Auch ich, das gestehe ich. Wer möchte schon den reinen Informationsgehalt von Kabarett in Frage stellen?
Doch Hand aufs Herz- Hat nicht auch Matthias Egersdörfer recht wenn er sagt, dass wir danach wieder zum normalen Alltag übergehen und denen Dienste leisten, die uns Anlass zur Klage geben?

Nochmal Hand aufs Herz- Wer von den Lesern beteiligt sich denn schon wirklich an Aktionen, Bündnissen und Initiativen, welche in die richtige Richtung gehen? Wer leistet denn schon ernsthaften Widerstand? Sicher, ich kenne es aus eigener Erfahrung:
Man hat Angst, man fühlt sich allein.

Doch eine ernsthafte Frage- Reicht es, wenn man sich kritischen Humor zugute führt? Reicht es, wenn man aufklärende YouTube Videos sieht? Reicht es wenn man jenen Recht gibt, die oft nicht gerade wenig Geld verdienen mit ihrer Aufsässigkeit (und sich dabei nicht selten selbst aus der Schusslinie begeben)?

Noch eine ernsthafte Frage- Was muss denn eigentlich noch geschehen, damit zumindest die Wenigen, die wissen was los ist, sich die Hand reichen und sich zumindest dahingehend einigen, dass irgendwann ein Schlussstrich gezogen werden muss?
Einer der am häufigsten bei Facebook geposteten klugen Sprüche lautet:
„Die Mächtigen können nicht herrschen, wenn die Massen aufhören zu kriechen“

Richtig, ich widerspreche nicht im Mindesten. Doch hören die Massen auf zu kriechen? Nein, aber sie denken, es wäre Widerstand, wenn sie mit bemalten Plakaten und Transparenten auf der Straße spazieren gehen. Wann in der Geschichte haben Demonstrationen an sich etwas geändert? Wackersdorf vielleicht, aber ging es da um etwas essentielles, wurde dadurch im (Atom)Kern etwas verhindert? Vielleicht in der DDR, wenn man die Tatsache außer acht lässt, dass die dortigen Demonstrationen (wie viele der heutigen übrigens auch) inszenierte Schauspiele waren. Demonstrationen ändern niemals die Gesinnung derer, gegen die demonstriert wird. Im Gegenteil werden Demos meist instrumentalisiert oder bestenfalls belächelt und sich über die Aufmerksamkeit gefreut, die man dadurch erhält, ohne eine Änderung zu bewirken.

Doch seien wir einmal ganz brutal ehrlich zu uns selbst- Es reicht weder, zu demonstrieren, noch sich unterhaltsame Sendungen und aufklärerische Videos anzusehen, wenn nicht irgendwann einmal der Punkt erreicht wird an dem gesagt wird „Ja, wir haben jetzt genug Information und jetzt muss auch entsprechend gehandelt werden“.

Muss erste einmal der Punkt erreicht werden, an dem die geistigen und physischen Käfige so eng werden, dass gar keine Bewegung und Aktion mehr möglich ist?
Frei nach dem Motto:
„Gut, dass wir es gewusst haben, was auf uns zukommt, wir hatten ja Jahre lang Zeit, um sehenden Auges in diesen Zustand zu gehen“.

Ich habe keine Kinder aber ich für meinen Teil möchte mich nicht von der nächsten Generation der Frage ausgesetzt sehen, warum wir zwar alles gewusst, aber nie etwas getan, sondern sehenden Auges fröhlich mit in den Abgrund gegangen sind und den nächsten Generationen noch mehr Dreck hinterlassen haben, als uns hinterlassen wurde.

Deswegen versuche ich zumindest mit der auch heute noch unbeugsamen Macht der Feder gegen alles anzugehen was in eine Richtung führt, die sowohl unsere eigene Existenz als auch die unserer Nachkommen lebensunwürdig macht.

Und was tust du?

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